Die Stellungnahme des Bundesrats zum Littering sollte überdacht werden

In den vergangenen paar Jahren haben Schweizer Parlamentsmitglieder dem Bundesrat mindestens 2 Motionen eingereicht und darin für eine landesweite Anti-Littering-Kampagne plädiert. Alle Vorstösse wurden abgelehnt. Die offizielle Haltung des Bundesrates war jedes Mal, dass solche Angelegenheiten lokal geregelt werden sollten.

Die Stellungnahme zur Motion 11.3944, Bekämpfung des Litterings sagte unter anderem: “Das Problem muss in enger Zusammenarbeit von Gemeinden, Kantonen, lokaler Wirtschaft und der Zivilgesellschaft lokal gelöst werden.”

Die Stellungnahme zur Motion 07.3342 Schluss mit Littering sagte: “Für die Lösung des Problems sind primär die Kantone und Gemeinden zuständig.”

Tatsache ist, dass der Bundesrat nicht von sich aus zu dieser Einstellung kam. Das BAFU (Bundesamt für Umfeld) wurde zu Rate gezogen und dessen Haltung wurde vom Bundesrat für richtig eingestuft. Man würde annehmen, dass sich beim BAFU eine Kommission diesem Anliegen annimmt. Dem ist aber nicht so.  Es setzt sich dort nur eine Person mit dem Thema Littering auseinander.

Nicht nur kommt die Haltung der Schweiz zum Littering von nur einer Person, diese lässt auch noch die jüngsten Erkenntnisse unbeachtet.

Die Dinge haben sich seit 2007 geändert. Es gibt heute hinreichende Anhaltspunkte, wonach diese Haltung nur halb richtig ist. Ja, die Logistik, die Sortierung und der Transport müssen lokal organisiert und durchgeführt werden. Aber die Erfahrung von Ländern, welche die 2008 in Estland erarbeitete Let’s Do It! Strategie anwenden, zeigt, dass das nicht reicht, um dem Littering und der unverschämten Abfallentsorgung ein Ende zu setzen.

Viele Länder verfügen über lokale Reinigungsaktionen und lokal geführte Anti-Littering-Kampagnen. Keines dieser Länder schaffte es aber, das Verhalten der Leute grundsätzlich zu verändern. Dabei ist die Menge an Abfall in der Umwelt von Jahr zu Jahr nicht etwa gesunken. Treffen sich 50 Leute, um eine jährliche Reinigungsaktion in ihrer Gegend durchzuführen, sieht es zwei Tage später wieder wie vorher aus.

Dort hingegen, wo das Let’s Do It! Konzept eingeführt wurde, hat sich die Situation zum Besseren verändert. Das Konzept ist einfach:

  • 1 landesweite, einheitliche und gemeinsame Botschaft
  • 1 landesweite, gemeinsame, eintägige Reinigungsaktion
  • massive Medienpräsenz

Einige Länder haben jetzt schon ein paar Jahre Erfahrung mit solchen landesweiten Kampagnen. Sie berichten, dass die Anzahl freiwilliger Helfer von Jahr zu Jahr gestiegen ist und dass die Menge an Abfall, die weggeräumt werden musste, von Jahr zu Jahr sank. Die landesweite Lösung hat TATSÄCHLICH zu einer Verhaltensänderung geführt!

Das Fazit dieser Länder: Lokale Bemühungen haben nie die erforderlichen kritischen Massen erreicht. Nur die landesweiten Kampagnen haben für genügend Furore gesorgt, um nationale und internationale Aufmerksamkeit zu wecken und dadurch das Bewusstsein genügend grosser Massen zu erreichen. Diese landesweiten Kampagnen schafften es, die Reinigung der Umwelt COOLER zu machen als deren Verunreinigung. Reale Tatsachen beweisen das jetzt.

Es wäre an der Zeit, dass das BAFU ihre Haltung ändert und den  Bundesrat darüber informiert.